Newsletter FPA 02/2016


 Am See

„Oft, während ich hier sitze, immer öfter wundert es mich, warum wir nicht einfach aufbrechen – wohin?
Es genügte, wenn man den Mut hätte, jene Art von Hoffnung abzuwerfen, die nur Aufschub bedeutet, Ausrede gegenüber jeder Gegenwart, die verfängliche Hoffnung auf den Feierabend und das Wochenende, die lebenslängliche Hoffnung auf das nächste Mal, auf das Jenseits – es genügte, den Hunderttausend versklavter Seelen, die jetzt an ihren Pültchen hocken, diese Art von Hoffnung auszublasen: Groß wäre das Entsetzen, groß und wirklich die Verwandlung.“
Max Frisch


Liebe Leserinnen, liebe Leser

Bald ist Zeugnistag. Den Liedtext von Reinhard Mey mit diesem Titel, den ihr gleich nachfolgend lesen könnt, bekam ich an einem Weihnachtskonzert zu hören. Vorgelesen vom Chorleiter, der die Gelegenheit nutzte, den ihm wichtigen Text mit einer vollbesetzten Stadtkirche zu teilen.
Zeugnistag: Für die Einen ein Tag der (Selbst-) Bestätigung, Ermunterung und Freude. Für Andere aber nach wie vor ein Tag der Enttäuschung, wiederholter Frustration oder gar des Schreckens.
Die Schulnoten sind überbewertet, wenn sie sich direkt auf das Selbstvertrauen auswirken. Damit dies nicht mehr geschehen kann, gehörten sie längst abgeschafft. Da dies nicht so schnell geschieht, hilft vorerst nur eins: Eltern und LehrerInnen, die zu den Kindern halten. Erwachsene, die aus dem Holze von Mey’s Eltern sind.
So liesse es sich auch mit einem schlechten Zeugnis unbeschwert in die Ferien fahren: Wohin? An den See.
Am See. Beim Aufräumen meines Schreibtischs bin ich auf diesen Text von Max Frisch gestossen. Seinen Gedanken habe ich nichts anzufügen.

Ich wünsche euch viel Spass beim Stöbern in diesem Newsletter und: Verschiebt den Aufbruch nicht auf nach den Ferien!

Herzliche Grüsse,
Christian Wirz

 


Zeugnistag

Ich denke, ich muß so zwölf Jahre alt gewesen sein,
Und wieder einmal war es Zeugnistag.
Nur diesmal, dacht‘ ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestühl ein,
Als meines weiß und häßlich vor mir lag.
Dabei war‘n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt,
Ich war ein fauler Hund und obendrein
Höchst eigenwillig, doch trotzdem hätte ich nie geglaubt,
So ein totaler Versager zu sein.

So, jetzt ist es passiert, dacht‘ ich mir, jetzt ist alles aus,
Nicht einmal eine 4 in Religion.
Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus,
Sondern allenfalls zur Fremdenlegion.
Ich zeigt‘ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie,
Schön bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu prahl‘n!
Ich war vielleicht ‘ne Niete in Deutsch und Biologie,
Dafür konnt‘ ich schon immer ganz gut mal‘n!

Der Zauber kam natürlich schon am nächsten Morgen raus,
Die Fälschung war wohl doch nicht so geschickt.
Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus,
So stand ich da, allein, stumm und geknickt.
Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück,
Voll Selbstgerechtigkeit genoß er schon
Die Maulschellen für den Betrüger, das mißrat‘ne Stück,
Diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn.

Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an
Und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft,
So gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran,
Das ist tatsächlich meine Unterschrift.“
Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug.
Gekritzelt zwar, doch müsse man versteh‘n,
Daß sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug.
Dann sagte sie: „Komm, Junge, laß uns geh‘n.“
Ich hab‘ noch manches langes Jahr auf Schulbänken verlor‘n
Und lernte widerspruchslos vor mich hin
Namen, Tabellen, Theorien von hinten und von vorn,
Daß ich dabei nicht ganz verblödet bin!
Nur eine Lektion hat sich in den Jahr‘n herausgesiebt,
Die eine nur aus dem Haufen Ballast:
Wie gut es tut, zu wissen, daß dir jemand Zuflucht gibt,
Ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!

Ich weiß nicht, ob es Rechtens war, daß meine Eltern mich
Da rausholten, und wo bleibt die Moral?
Die Schlauen diskutier‘n, die Besserwisser streiten sich,
Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal.
Ich weiß nur eins, ich wünsche allen Kindern auf der Welt,
Und nicht zuletzt natürlich dir, mein Kind,
Wenn‘s brenzlig wird, wenn‘s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt,
Eltern, die aus diesem Holze sind.

Reinhard Mey

Lied anhören

Veranstaltungen

Das neue Kursheft ist da: Download als pdf

Alles wirkliche Leben ist Begegnung - Pflanzen als Bilder der Seelenwelt
Unsere Aufmerksamkeit und Präsenz schulen wollen wir bei unseren Pflanzenbetrachungen im Botanischen Garten in Zürich. Die Gruppe trifft sich seit vielen Jahren, Neueinsteiger sind herzlich willkommen.
Nächste Daten: Jeweils Sonntags 28. August, 25. September und 23. Oktober, 12.15 bis 15 Uhr.
Leitung: Daniel Wirz
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Veranstaltungsreihe „Blick über den Zaun“
Auf die Stärken der Kinder bauen - Besuch in der LernStatt Schule

Ein Ort für kindgerechte Schulbildung, selbstbestimmtes Lernen, persönliche Entwicklung und offenen Unterricht im Raum Solothurn.
Leitung: Petra Maarsen, Corinne Keller & Res Koeninger

S
amstag 10. September in Nennigkofen
mehr Infos/Anmeldung

Veranstaltungsreihe „Blick über den Zaun“
Begleitungskunst in Eltern-Kind-Gruppen - Besuch beim Verein Spielraum-Lebensraum
Das kürzlich erschienene Buch von Maria Luisa Nüesch beschreibt ein Zukunftsmodell der Arbeit mit Eltern-Kind-Gruppen, das von hoher Achtsamkeit geprägt ist. So entstehen Orte der Ruhe, des Respekts, der Einfühlung und der Entfaltung für Babys und ihre Eltern. Der Verein Spielraum-Lebensraum in Grabs heisst alle willkommen, die sich für diese Art der Arbeit mit Eltern-Kind-Gruppen interessieren.
Leitung: Maria Luisa Nüesch, Jeannette Berger & Margrit Maier
Samstag  17. September in Grabs
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Margrit Hungerbühler-Räber vom F-NETZ Nordwestschweiz hat eine lesenswerte Rezension zum Buch von Maria Luisa Nüesch verfasst.
Rezension lesen

Verstehen-Sinn finden-Kraft schöpfen - Aber vor allem: Aufwachen!
Hinter einem jeden der bekannten und doch für Manchen längst inhaltsleeren Jahresfeste - wie Michaeli, Advent, Weihnachten – verbirgt sich ein grosses Geheimnis. Ihm auf die Spur zu kommen, kann als sehr heilsam, Kraft, Mut und insbesondere Lebenssinn spendend empfunden werden.
Leitung: Daniel Wirz
Samstag 24. September, in Zürich
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Prag zwischen gestern und morgen

Unsere beliebte Studienreise unter einheimischer Führung, 10. – 16. Oktober.
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Eltern wehrt Euch!

Ein Plädoyer für echte pädagogische Verantwortungsgemeinschaften

Leitung: Henning Köhler

Samstag 29. Oktober in Zürich

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Das Menschenbild - Das Herz der Pädagogik
Immer mehr gilt: ich bin, weil Du mich siehst! Und wenn das Grosse, Bewegende und Einzigartige, das mit jedem Menschen in unsere Welt eintritt, nicht gesehen wird, so kann es sich auch nicht zeigen.
Leitung: Johannes Greiner
Samstag 5. November in Zürich
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Vorschau:

12. November, St. Gallen

Ursula Taravella: Besuch im „Gasthaus des Lernens“

12. November, Zürich

Daniel Wirz: Vom Wunder des Kindseins – Wesenserkenntnis als Kraftquell

19. November, Zürich

Dominik Rentsch: Move, clap & smile 2

26. November, Zürich

Johannes Stüttgen: Am Ende steht das Kunstwerk am Anfang


Anmeldungen sind jederzeit möglich an:
Kurse FPA, Postfach 801, 6301 Zug   Tel. 041 710 09 49    E-Mail:
info(at)arbeitskreis.ch

 

Veranstaltungen anderer Anbieter

Antroposophische Sommertagung
15.-18. Juli in Zürich
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Sommerkurs: Weiterbildung für plastisches Gestalten
Leitung: Elisabetha Bleisch
17.-23. Juli, Atelier Rote Fabrik, Zürich
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27. AUGUST 2016:

SPIELEND LERNEN - Naturpädagogik als Basis für Kompetenz- und Wertebildung
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Textil und Kunst Basel:
Die Ausbildungs-Fäden in die Hand nehmen…
Fachausbildung Handarbeit auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners
Berufsbegleitend wöchentlich, 2-jährig. 3. Jahr Praktika und Diplom
Beginn: 18. Oktober 2016 und 25. April 2017
Blockausbildung: 7. Modul
24. – 27. August 2016
Einstieg jederzeit möglich
Weiterbildung Malen/Zeichnen
Berufsbegleitend, 1-jährig, Beginn: 17. August 2016
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Montessori AMI 0-3 Assistenz-Zertifikats-Kurs 2016 in Zürich
60 Stunden Vorlesungen verteilt auf 4 Wochenenden
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Zusammen Wachsen ZUWA: Ausbildung zur Gruppenleiterin
Zuwa-Gruppen sind Eltern-Kind Gruppen, in denen Eltern in den ersten zwei Jahren mit ihren Kindern begleitet werden, grundlegende Informationen über Bindung, Spracherwerb, Kreativität, kindliche Bedürfnisse und weitere Themenbereiche erhalten.
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Institut für Elementarpädagogik: Weiterbildung für die Leitung von Eltern-Kind-Gruppen
Adliswil, 8 Kurstage.
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L’AUBIER: Selbstständigkeit wagen ! - Eine Ausbildung auf Basis der Anthroposophie
Die Impulse der assoziativen Wirtschaft kennenlernen
Seine eigene Kräfte entdecken
Sich frei engagieren und Verantwortung übernehmen
Seinem Lebensprojekt näherkommen
Oktober 2016 bis Juni 2017, in Montezillon
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Berufsbegleitende Kurse für Waldorfpädagogik e.V, Herne (DE)
Weiterbildung zum BLI-Embodiment Coach
    
Unreife und Schwächen im Muskeltonus, Bewegung und Gleichgewicht verstehen und sicher diagnostizieren, effektive Übungen zu Nachreifung und Gesundung erlernen, BLI-Embodiment im Elterncoaching vermitteln.
Eine gesunde Bewegungsentwicklung gründet auf einem angemessenen Muskeltonus und der Integration frühkindlicher Reflexe.
Sie mündet in freien, physiologisch sinnvollen, koordinierten und flexiblen Bewegungsmustern. Gelingt diese Entwicklung nicht oder nur unzureichend, ergeben sich daraus vielfältige Probleme z.B. in Hinblick auf Haltung, Koordination, Feinmotorik, Aufmerksamkeit und Konzentration.
BLI-Embodiment besteht aus Übungen, die eine gesunde frühkindliche Bewegungsentwicklung nachahmen und schließlich zu einer neuronalen und nachhaltigen Nachreifung von Muskeltonus und Bewegungsmustern führen. Der Kurs wendet sich an Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Motopäden, Pädagogen, Heilpädagogen o.ä.
8 Kursmodule ab November 2016
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Vorankündigung: Kongress 10.-12. März  2017 in Köln
Angst in unserer Gesellschaft -
mit besonderem Blick auf die Lage der Kinder und die Herausforderung durch Inklusion

Veranstalter: Studienkreis für Neue Pädagogik und Freies Bildungswerk Rheinland in Zusammenarbeit mit dem Janusz- Korczak - Institut Nürtingen (Henning Köhler und KollegInnen)

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Lesenswert

Potenzialentfaltung wird von manchen Erwachsenen, die es möglichst gut machen wollen, manchmal missverstanden. Wenn wir unsere Rolle in erster Linie darin sehen, Kinder vor vermeintlich negativen Einflüssen zu schützen, werden sie nicht einfach aus sich selbst heraus ihr Potenzial entfalten. Dazu brauchen sie viel mehr von uns: Geborgenheit und Sicherheit, Orientierung, Inspiration, geeignete Lebens- und Erfahrungswelten. Sie brauchen also Erwachsene, die sich in der Begleitung der Kinder mit ihrem eigenen Potenzial einbringen und ihre Vorbilds- und Führungsrolle wahrnehmen. Dazu findet ihr hier einige Beiträge.

«Kinder brauchen einen Oberbandenführer» (Alexandra Kedves, „Der Bund“  7.6.2016)
Die Schule entwickle sich in die falsche Richtung, findet Jugendgewalt-Experte Allan Guggenbühl und sagt, was sich ändern sollte.
Interview lesen

Ähnliches fordern die Autoren der folgenden Bücher:
Jesper Juul:
Leitwölfe sein - Liebevolle Führung in der Familie

In seinem neuen Buch ermutigt Jesper Juul Mütter und Väter, einen Führungsstil zu entwickeln, an dem alle wachsen: Kleinkind, Teenager und nicht zuletzt die Eltern selbst. Erziehungswissenschaftler, Pädagogen und Leute wie ich sind sich in einem Punkt einig: Nämlich, dass Kinder Führung durch Erwachsene brauchen. Dass wissen wir, weil es Kindern,die ohne diese Führung leben, schlecht geht - ob sie alleine sind, nur unter anderen Kindern oder mit Eltern, die nicht führen können oder wollen.
Kinder brauchen Eltern als Leitwölfe, damit sie sich im Dickicht des Lebens zurecht-finden. Sie brauchen Eltern, die manchmal klare Signale senden. Wir sehen heute viele Familien, in denen die Eltern so grosse Angst haben, ihren Kindern zu schaden oder sie zu verletzten, dass die Kinder zu Leitwölfen werden. Diese Eltern streifen orientierungslos durch den Wald.

mehr Infos/Buch bestellen

Interview mit Jesper Juul zum Buch lesen

Louis Cozolino
Bindungsorientierter Unterricht (Arbor-Verlag 2016)
Wie eine Schulklasse zu einer Stammesgemeinschaft zusammenwächst
Menschliche Gehirne sind sozial und die Lernfähigkeit eines Schülers wird stark von der Qualität seiner oder ihrer Bindung zu Lehrern und Kameraden beeinflusst. Sicher gebundene Beziehungen gewährleisten nicht nur unser Wohlergehen im Großen und Ganzen, sondern verbessern auch das Lernen, indem sie die Motivation vergrößern, die Angst regulieren und die Neuroplastizität anregen.Dieses Buch stellt das Modell einer sicher gebundenen Klasse vor, indem es die zentrale Lehrer-Schüler-Beziehung für die Bildung eines unterstützenden Klassenverbandes nach „Stammesart“ und die Kommunikation in der Schule untersucht.
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Mobbing beginnt nicht in den Köpfen der Kinder (Jesper Juul, Kolumne im Elternmagazin Fritz+Fränzi, Februar 2016)
Wenn in einer Schule überdurchschnittlich häufig gemobbt wird, ist der Grund oft ein Führungsproblem. Jesper Juul über fehlendes Selbstwertgefühl von Jugendlichen und die Herausforderung an Lehrkräfte, mit ihrem Verhalten Mobbing zu verhindern.
Kolumne lesen

Stiftung Silviva:
Alle Fächer draussen unterrichten - Klassenzimmer Natur bringt das Rüstzeug
Wie macht man Mathe draussen? Erreiche ich die Lehrplanziele für Deutsch im Waldsofa? Wie argumentiere ich in meinem Team und bei meiner Schulleitung, wenn ich viel mehr Zeit mit meiner Klasse im Freien verbringen möchte?
Silviva erarbeitet derzeit ein Lehrmittel „Klassenzimmer Natur“. Wer interessiert ist als Testlehrpersonen mitzuarbeiten, als PH-Dozierende mit SILVIVA Kurse zu entwickeln oder als Schulleitung einen SCHILW-Kurs zu planen, kann sich bei der Stiftung melden.
Mehr Infos/Kontakt

Allen, die noch mehr Anregungen um draussen zu unterrichten oder zum Thema Wald/Naturpädagogik suchen, empfehlen wir gerne den Newsletter der Stiftung Silviva: Sommernewsletter lesen

Deutschland:
Kritik der Waldorfverbände am neuen Förderprogramm KitaPlus (Bund der freien Waldorfschulen, 15.1.16)
Die Frage, ob es für das Kindeswohl nicht förderlicher sei, Erziehungsberechtigte mit kleinen Kindern eben gerade nicht zu Schicht- und Wochenendarbeit heranzuziehen, werde gar nicht erst gestellt.Das neue Förderprogramm KitaPlus des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das im Januar an den Start gegangen ist, dient aus Sicht der Verbände der Waldorfpädagogik nicht wirklich den Interessen von Kindern und Familien. Das Programm ermöglicht Kindertageseinrichtungen Betreuung auch am Wochenende und in der Nacht und soll den Bedürfnissen von Eltern im Fall von Wochenend- und Schichtarbeit entgegenkommen.
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Alina Bronsky, Denise Wilk:
Die Abschaffung der Mutter
Kontrolliert, manipuliert und abkassiert – warum es so nicht weitergehen darf

Was ist das Muttersein in unserer Gesellschaft wert?

Eine Schwangerschaftsvorsorge, die in Entmündigung gipfelt. Geburten, bei denen es vor allem um eines geht: (Kosten-)Effizienz. Ein Wochenbett, das seinen Namen nicht mehr verdient. Stillen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit und keinesfalls zu lange. Väter, die versuchen, die bessere Mutter zu sein. Eine Politik, die alles dafür tut, Kinder so schnell wie möglich in die Krippe zu stecken. Die Verunsicherung von Müttern als Geschäftsmodell. Wertschätzung? Unterstützung? Fehlanzeige. Wer sich heute als Frau für ein Kind entscheidet, der muss verrückt sein, so könnte man meinen. Denn Mütter werden in unserer Gesellschaft zunehmend bevormundet, kleingehalten und überwacht. Jegliche Kompetenz mit dem eigenen Kind wird ihnen abgesprochen. Wer im Beruf ernstgenommen und von seinem Umfeld anerkannt werden möchte, der lässt seine Bedürfnisse als Mutter unter den Tisch fallen. Denn eines will man auf gar keinen Fall sein: eine Glucke. Schritt für Schritt vollzieht sich so die Abschaffung der Mutter. In ihrem Buch liefern Alina Bronsky und Denise Wilk eine schonungslose Analyse der Entwicklungen. Pointiert und zugespitzt schildern sie, wer die Nutznießer sind, und fragen, was sich ändern muss, damit Mütter wieder den Rückhalt bekommen, den sie verdienen.
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 "Sich Hausfrau zu nennen, hat etwas Revolutionäres"  (Interview mit Alina Bronsky, Spiegel online, 12.3.16)
"Für mich kommt die Familie an erster Stelle. Entsprechend lebe ich. Wenn ich das Gefühl habe, berufliche Aufgaben belasten die Familie zu sehr, verzichte ich darauf. Ich reise zum Beispiel kaum. Das bedeutet: viel weniger Lesungen, als ich machen könnte. Ich verzichte auf potenzielle Erfolge oder auf irgendeinen Spaßfaktor, wenn ich weiß, ich würde sonst jemandem, der mir unglaublich viel bedeutet, Schaden zufügen."
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Rückmeldung einer Leserin:
Ich sei schockiert, dass offenbar im Kindergarten kaum mehr Raum für freies Spiel sei, schrieb ich im letzten Newsletter. Darauf schrieb mir eine Leserin:
"Übrigens das fehlende Freispiel hat nicht nur den Kindergarten erreicht, sondern auch mein Berufsfeld, die Kinderkrippe. Immer mehr neue Mitarbeiterinnen oder Lernende berichten aus ihrem früheren Arbeitsort, dass viele Kindergruppen nicht mehr nach draussen gehen, sondern die Richtlinien der Bildungskrippen so umsetzen, dass die Kinder fast nur noch in geführten Sequenzen sind, und es gilt die Lernziele zu erreichen, statt zusammen im Garten zu spielen und im Wald Erfahrungen machen zu dürfen.
Ich bin zunehmend beunruhigt. Die Fachfrauen sind mit schriftlichen Arbeiten, Berichten Postfolio's beschäftigt und die Kinder werden von Lernenden und Praktikantinnen betreut.
Dabei können wir Erwachsene im Freispiel soviel beobachten und über die Kinder viel erfahren, was unsere Alltagsgestaltung beeinflussen und bereichern kann. Die Kinder machen in der Natur so viele Erfahrungen für ihre Entwicklung, welche wir in den Gruppenräumen nicht "nachspielen" können."



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